Kleiner Tipp: Das nächste mal, wenn ihr einen Goblin seht schenkt ihm doch ein bisschen Beachtung. Muntert ihn auf! Nehmt ihn ernst statt euch wieder mal lustig zu machen. Ja, Gobos sind oft etwas schrullig und gelegentlich leicht durchgeknallt. So sind sie halt. So kennt man sie. Als kleine Wesen in einer großen Welt haben sie es nicht immer leicht. "Ja und? Was wird ein klitzekleiner Goblin denn schon fieses machen wenn er/sie an seine Grenzen gebracht wird?" - könnte sich nun so mancher denken. "Die große Rache des kleinen Gobo?" Wer nun schmunzelt sollte sich folgende kleine Geschichte anhören.
Als bei dem letzten großen Ingenieurskongress die angereisten Goblins mal wieder nur belächelt und ihre großspurigen Ideen abgewunken wurden war das Maß für jene voll. (Aus Fairness sollte erwähnt werden, dass ihre Erfindungen nicht die zuverlässigsten sind.) Wütend und verbittert verließen die Gob-Ings den Kongress und formten wenig später einen Pakt. Sie schworen sich mit Ihrer nächsten Erfindung allen das Lachen im Halse stecken zu lassen und den Respekt zu ernten der ihnen gebühren würde.
Die kommenden Wochen und Monate planten die Meister der mechanischen Handwerkskunst im Verborgenen an ihrem nächsten Projekt. Rund um die Uhr wurde geschweißt, gehämmert und gelötet. Gewalzt, gebogen, genietet, geschliffen und lackiert. Gewaltige Materialmengen wurden zusammengetragen und dabei geschickt über diverse Quellen angefordert um jede Aufmerksamkeit zu vermeiden. Da wurde an etwas größerem als an einem verbesserten mechanischen Eichhörnchen oder neuen Raketenstiefeln gewerkelt!
Die Zeit verging. Der Sommer und der Herbst kamen und gingen. Seit dem genannten Kongress waren einige Monde verstrichen. Wir waren mit unserer Truppe gerade zu Besuch im "Herz der Angst", dem Palast der Mantiden in der Schreckensöde. Auf einer der oberen Aussichts- bzw. Landeplattformen machten wir ein wenig Pause und verschnauften. Wir plünderten unsere mitgebrachten Vorräte. Die Stimmung war gut und die Unterhaltungen angeregt. Daher vernahmen wir nicht das zunächst nur leise und kaum wahrnehmbare seltsame Brummen das von draußen über den Balkon zu uns vordrang. Immer lauter und lauter wurde es. Das zunächst monotone Brummen wurde komplexer. Neben dem niederfrequenten Wummern hatte sich ein Rattern, Knattern und Klappern eingestellt. Wir schauten uns gegenseitig fragend an. Das Brummen wurde immer lauter und man konnte merken wie der Palastboden leicht zu vibrieren anfing. Hastig verstauten wir unsere ausgebreiteten Mitbringsel und brachten uns in eine defensive Formation.
Aus dem dumpfen Dröhnen war inzwischen ein Höllenlärm geworden. Alles Vibrierte. Visiere klapperten. Hätte es welche gegeben wären die Blumenkübel über den Balkon gewandert. Einige blasse Gesichter ließen darauf schließen dass sie nicht glücklich über ihren durchgeschüttelten Mageninhalt waren. Anderen schien es nicht viel auszumachen. Und dann war noch der eine der breit grinsend seinen Rücken intensiv an einer der Säulen am Eingang schubberte und die auflockernde Massage genoss.
Staub, Blätter und Äste wirbelten hoch. Inzwischen konnte man nur noch schreiend oder mit Gesten kommunizieren. Wir hatten uns noch etwas weiter in den Palast zurückgezogen und starrten gebannt über die Kante der Plattform.
Es dauerte nicht mehr lange bis ein flatterndes, summendes Ungetüm sich langsam über die Kante erhob. Sekunde um Sekunde verging und es kam immer mehr von diesem Ding zum Vorschein. Es war ... riesig!
Die Luftverwirbelungen waren inzwischen so stark, das wir uns kniend dem Gegenwind stellen mussten. Ein paar Momente später hatte sich dieses fliegende Etwas schließlich vollends über die Kante erhoben und kam nun auf uns zu um auf der Terrasse zu landen. Seltsam elegant setzte es mit allen Vieren auf wobei die Terrasse spürbar unter der Last ächzte. Die Flügel verlangsamten sich schnell und legen sich flach auf den Rücken des überdimensionalen Käfers. Selbst ein Titan hätte dies metallisch schimmernde Insekt nicht mehr zertreten können.
Grimmig stand das schwer gepanzerte und mit zwei großen Scheren bewaffnete Monster uns gegenüber. Überraschender weise schien es sich zu beruhigen. Das dumpfe Dröhnen verebbte und der massive Körper sackte etwas ab.
"Test.. Test...Hallo?" *mehrmaliges Klopfen* "Hey, ist das Mikro überhaupt angeschlossen?" klang es schrill vom dem Käfer herüber.
Verwundert richteten wir uns auf und traten ein wenig näher an das Ding heran. Unsere überlegte und diplomatische Antwort war dann ein verdutztes: "H-Hallo?"
"Ah gut. Es geht." tönte es erneut aus dem Lautsprecher. "Wir sind gekommen der Großkaiserin ein Ende zu setzen. Geht zur Seite und lasst unser Wunderwerk an die Arbeit."
"Euer Wunderwerk? Und wer ist 'wir'?"
"Wir... " *räusper* "Wir sind die mobile Goblin-Einsatztruppe! Wir sind die Antwort auf das Problem! Die ultimative Waffe gegen das Böse! Dies ist unser großes, autonom reparierendes Angriffs- und Lastenfahrzeug mit omnidirektionaler Navigation und derzeit im Käfer-Tarnmodus.
Tretet zur Seite und lasst G.A.R.A.L.O.N. Durch! Dies ist Eure letzte Warnung!“ klang es scheppernd zu uns herüber.
Das Summen, Brummen und Poltern im Inneren des sich wieder aufrichtenden Metallkolosses wurden schnell wieder lauter.
"Moment!" "Stop!" "Halt!" schrien und gestikulierten wird dem Käfer entgegen. Vergebens. Dieser stapfte bereits unbeirrt in Richtung des Palastinneren. Um nicht zertrampelt zu werden mussten wir ausweichen.
Ein paar Meter hatte der mechanische Käfer zurückgelegt und war fast im Palast verschwunden. Doch wurde er nun wieder langsamer und fing an sich unkontrolliert nach rechts und links zu bewegen. Man könnte meinen er würde sich schütteln oder gar bocken.
Nach einen kurzen Moment der Ruhe drehte sich G.A.R.A.L.O.N. zu uns um und setzte sich wieder in Bewegung. Dabei gingen die vorderen Scheren in Angriffsposition.
"Äh,... ähm.." stammelte es aus den Lautsprechern. "Es scheint wir haben vorübergehend die Kontrolle verloren. Wir würden empfehlen sich rasch zu entfernen. Lauft!“ „....der Kopf....“ „.. LAUFT!..."
Rauschen und Knacksen unterbrachen endgültig die Übertragung während der Käfer unbeirrt in unsere Richtung stapfte.
Das Rauschen endete und mit einem seltsamen Akzent wurde verkündet: "EINDRINGLINGE!"
*rausch* *knister* "Eingedrungen...", "...mein Palast..." und "...werdet sterben!" waren die letzten Klangfetzen bevor der mechanische Megakäfer in vollem Tempo Jagd auf uns machte. Der Akzent war uns von den Mantiden aus Klaxxi'ves vertraut. Aber hier? War das...war das etwa die Stimme der Großkaiserin?
Den Abgrund im Rücken und den Käfer zwischen uns und dem Palasteingang war eine Flucht keine Option. Sein Lauftempo war inzwischen beachtlich schnell. Es würden nicht alle den schnappenden, tödlichen Scheren entkommen können. Einige von uns mussten also das berserkende Vieh ablenken während andere es irgendwie stilllegen oder zumindest verlangsamen würden.
Ein direkter Angriff auf den schwer gepanzerten Körper schien aussichtslos und der Kopfbereich wurde durch die massiven Scheren wirkungsvoll verteidigt. Also versuchten wir unser Glück mit den Beinen. Das war einfacher gesagt als getan. Die gewaltigen Schreitwerkzeuge waren mit einem extrem dicken gummiartigen Material ummantelt. Mit großen oder kleinen Hieb- und Stichwaffen war kein schnelles Vorankommen auszumachen. Die kinetische Angriffsenergie verpuffte und wurde wie von einem Stoßdämpfer absorbiert. Große Hitze und andere magischen Angriffe schienen keine bessere Lösung zu sein.
Nach dem Motto "Steter Tropfen höhlt den Stein" fokussierten wir also einen kleinen Bereich an einem Bein und arbeiteten uns durch die zähe Außenhaut bis wir schließlich die darunter befindlichen Hydraulikleitungen beschädigen konnten. In hohem Bogen schoss die ölige und giftige Substanz aus den geritzten Leitungen. Die entstehenden Dämpfe wirkten einschläfernd und den unangenehm ätzenden Pfützen am Boden sollte man tunlichst ausweichen wollte man nicht schuhlos, fusslos und dann beinlos sein. Das angeschlagene Schreitbein des Käfers war sichtlich eingeschränkt und der Käfer verlor bereits zusehends an Tempo. Also ran an das nächste Bein!
Man könnte meinen wir hätten uns nur Bein um Bein vornehmen müssen und eins, zwei, drei, ... vier damit dem Spuk ein Ende gesetzt. Leider weit gefehlt. Den Gob-Ings war wohl bewusst, dass ein Angriff auf den Antrieb des G.A.R.A.L.O.N. eine Schwachstelle darstellte. Daher hatten sie eine wirkungsvolle Verteidigungsmechanik eingebaut. Der Käfer setzte zwischendurch zu einem kleinen Sprung an und ließ sich dann fallen. Das massive Gewicht zermalmte gnadenlos alles und jeden unter sich. Der entstehende Windschwall war das sekundäre Problem und nicht minder tödlich. Traf dieser doch mit so einer Wucht, dass er selbst gestandene Veteranen in voller Plattenrüstung mit Leichtigkeit umgehauen hätte. Extreme Vorsicht und gebührender Abstand war also angesagt.
Wir waren mittlerweile an Bein Nr. 3 zugange als wir bemerkten, dass Bein Nr. 1 scheinbar wieder funktionierte. Es trat auch keine Hydraulikflüssigkeit mehr aus. Die beschädigten Stellen hatte sich verhärtet und wieder verschlossen. Die Gob-Ings hatte mit "autonom reparierend" tatsächlich nicht gescherzt. Wir mussten unsere Schlagzahl also nochmals erhöhen um der Selbstheilung ein Schnippchen schlagen zu können. Der große Kreistanz auf der Terrasse in luftiger Höhe ging somit noch ein paar Runden bis schließlich G.A.R.A.L.O.N. "stillgelegt" werden konnte.
Ein Präzisionsschuss in den winzigen Lüftungsschacht am Hinterkopf der zu den Steuerungskristallen führte konnte das mechanische Todesinsekt dann endgültig deaktivieren.
Warum was dies „Wunderwerk“ auf uns los? Die Gob-Ings wollten nicht selbst in dem Ungetüm sitzen sondern es aus sicherer Entfernung steuern. Dabei hatten sie bei der Frequenzwahl ihrer Fernsteuerung eine unglückliche Wahl getroffen, denn diese überschnitt sich ausgerechnet mit dem Kommunikationsspektrum der Mantiden - speziell dem Gesang der Großkaiserin. Diese wurde somit direkt auf den Eindringling aufmerksam und überlagerte dann die Steuerungssignale um selbst die Kontrolle zu übernehmen.
Leicht betüddelt von den Hydraulikdämpfen beschlossen wir uns vom Acker zu machen und die Bergung der „Gobo-Einsatztruppe“ zu überlassen. Sie hatten diesen Koloss hier hochgebracht, dann konnten sie ihn auch wegschleppen.
Wir einigten uns darauf in Zukunft ein wenig netter zu den Goblins, insbesondere den Ingenieuren zu sein. Wenn es uns in Zukunft solche vor Größenwahn strotzenden Aktionen ersparen würde war es das sicher wert.